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2008 Samstag 02 Februar

EconGas will im Ausland wachsen

derstandard

Auslandsanteil soll von heute 30 Prozent in fünf Jahren bei 50 Prozent liegen, auch die Handelsaktivitäten sollen ausgebaut werden

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Wien - Die EconGas, gemeinsame Großkundengesellschaft von OMV (50 Prozent) sowie EVN, Wien Energie, OÖ Ferngas, Begas und Linz AG, setzt bei ihrer Wachstumsstrategie auf das Ausland. Derzeit werden rund 30 Prozent des Geschäfts im Ausland gemacht. In fünf Jahren soll der Auslandsanteil bei 50 Prozent liegen. Beim Gasbezug will die EconGas stärker diversifizieren, unter anderem durch die "Nabucco"-Pipeline und Flüssiggas (LNG), und auch die Handelsaktivitäten sollen ausgebaut werden, erklärten die beiden Geschäftsführer Jesco von Kistowski und Michael Peisser vor Journalisten. Der Wettbewerb am österreichischen Markt funktioniere.
Über die Nabucco-Pipeline - mit dem Projekt unter Federführung der OMV soll ab 2012 Gas aus dem Kaspischen Raum nach Europa transportiert werden - könnten rund 3 bis 5 Mrd. Kubikmeter bezogen werden. EconGas führe bereits Vertragsgespräche mit möglichen Lieferanten aus dem kaspischen Raum - Aserbaidschan und Turkmenistan und auch der Iran, sagte Peisser. Es würden heuer diesbezüglich Schritte gemacht, die zum gegebenen Zeitpunkt bekannt gegeben würden. Der Iran sei Teil des Portfolios, so Kistowski. Derzeit importiert die EconGas rund sieben Mrd. m3 Erdgas, abgesetzt werden knapp unter acht Mrd. Kubikmeter.

Die Gasreserven lägen in der Kaspischen Region und im Mittleren Osten, es müsse ein Commitment zu deren Erschließung geben, so Peisser. Nabucco sei als Brücke wichtig. Produzenten müssten angesichts eines Wettbewerbs der Kontinente von Europa als Gasmarkt überzeugt werden, die Erzeuger-Länder könnten sich überlegen, ob sie Gas nach Europa, Asien oder in die USA lieferten. Es werde politisch und wirtschaftlich gelingen müssen, den europäischen Markt auch neuen Produzenten schmackhaft zu machen. Peisser verweist auf die "politisch interessant Situation" als Österreich die ersten Gasverträge mit der ehemaligen UdSSR unterzeichnete: Dies war 1968 - dem Jahr des "Prager Frühlings"

Steigender Erdgasbedarf

Der Erdgasbedarf in Europa werde weiter stark steigen, unter anderem auch wegen der zu erwartenden vermehrten Kraftwerksbauten. Die Reserven gingen zurück, daher würden Importe immer wichtiger. Wichtig sei, dass die Bezugsstrukturen langfristig gesichert seien, auch über langfristige Bezugsverträge als Basis. Für Österreich rechnet die EconGas mit einem jährlichen Verbrauchswachstum von 3 bis 5 Prozent - bei einer Standardwitterung. Österreich sei derzeit auch das einzige Land in Europa, in dem neue Reserven erschlossen würden. Für die EconGas, die nun ihren fünften Geburtstag feiert, werde Europa immer mehr zum Heimmarkt, betonte Kistowski. "Wachstum findet im Ausland statt", so Peisser.

Das Unternehmen verfügt derzeit über fünf Standorte: Wien, Linz, Mailand, Regensburg und Budapest. Tochtergesellschaften gibt es derzeit in Italien, Deutschland und Ungarn. Mit anderen europäischen Ländern gibt es Lieferbeziehungen wie etwa mit Slowenien, wo rund 14 Prozent des Großhandelsgeschäftes des Landes über EconGas läuft. Tätig ist die EconGas auch in Kroatien, Frankreich und den Niederlanden. Ziel der EconGas sind die Märkte im benachbarten Ausland. In Tschechien sei man dabei Industriekunden zu beliefern, so Peisser. In der Slowakei sei man derzeit nicht aktiv.

Flüssiggas und Spotmärkte

Die am stärksten geöffneten Gas-Märkte in Europa sind nach Einschätzung der EconGas Österreich und Großbritannien. In vielen Ländern Europas gebe es noch Hürden etwa bei den Kosten oder Kapazitäten der Durchleitung. Schärfste Konkurrenten im Ausland sind nach Einschätzung der EconGas-Geschäftsführer die angestammten Versorger. In Österreich ist der Gasmarkt seit 1. Oktober 2002 völlig liberalisiert, der Markt sei kompetitiv. Die Erfahrungen auf dem Heimmarkt hätten sich bei der Europa-Expansion als wertvoll erwiesen, man habe Know-How gesammelt, "das uns nun im Ausland zu Gute kommt", heißt es.

"Es gibt nach wie vor Handelshemmnisse in ausländischen Märkten, die uns das Leben schwer machen", so EconGas-Geschäftsführer Jesco von Kistowski. Eines der Probleme in Deutschland beispielsweise sei die Aufteilung in Marktgebiete, die es zu durchqueren gilt, wenn man als österreichisches Unternehmen etwa ein Stadtwerk in Norddeutschland beliefern will. Ein deutsches Stadtwerk habe seinen Kunden durch den Vertrag mit EconGas zu Einsparungen von 10 bis 15 Prozent verhelfen können. Die EconGas sei in einigen Regionen Europas Eisbrecher gewesen. Wichtig sei auch die Begleitung der Kunden ins Ausland. Es aber für einen Gasversorger noch nicht möglich, einen Kunden von Spanien bis Polen zu versorgen. Die EconGas könne dies immerhin schon in Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn. Der Zug der Liberalisierung fahre aber in Europa und sei nicht aufzuhalten, betonte EconGas-Geschäftsführer Michael Peisser.

Win-Win-Situation

In Österreich sei der Markt sehr kompetitiv, die Liberalisierung eine Win-Win-Situation für alle Teilnehmer. Die Verträge mit den Kunden - die EconGas ist für Großkunden ab einem Jahresverbrauch von 500.000 m3 zuständig - würden mittlerweile nur mehr zwei bis drei Jahre laufen und nicht mehr 30 Jahre. Wenn man ein Angebot lege, sei man mit mindestens drei, in der Regel mit fünf Konkurrenzangeboten konfrontiert. Der Marktanteil in Österreich (Regelzone Ost: Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Burgenland) liege bei rund zwei Drittel.

Ein weiteres wichtiges Standbein beim Gasbezug soll LNG (Flüssiggas) werden, der Anteil soll mittelfristig 20 Prozent erreichen. Die OMV hat sich wie berichtet mit fünf Prozent an einem geplanten Verflüssigungs-Terminal in Rotterdam beteiligt, EconGas hat einen langfristigen Kapazitätsvertrag über jährlich drei Mrd. m3 ab der zweiten Jahreshälfte 2011 abgeschlossen. Eine ähnliche Größenordnung sei auch vom geplanten LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk zu erwarten. Insgesamt soll der LNG-Anteil am EconGas-Portfolios bei 20 bis 25 Prozent zu liegen kommen. In Europa liege der LNG-Anteil derzeit bei rund 15 Prozent, es gebe Prognosen, die von einem Anstieg auf 30 Prozent bis 2030 ausgingen. Rund 20 Prozent sollen bei der EconGas mittel- bis langfristig auch auf kurzfristige Bezüge an den Spotmärkten entfallen. Die Handelsaktivitäten sollen ausgebaut werden. Im Jahr 2006 entfielen laut EconGas-Daten 55 Prozent der Erdgasaufbringung auf Russland, zwölf Prozent auf Norwegen und 17 Prozent kamen aus dem Inland. (APA)


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