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2008 Freitag 29 Februar

Obama-Gegner wollen Antisemitismus zum Wahlkampfthema machen

Clinton-Team streut Hinweise auf Israel-kritische Haltung Obamas - Republikaner "besorgt" über Zukunft Israels

Washington/Wien - Barack Hussein Obama lautet der volle Name des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers. Darauf ritt am Dienstag ein konservativer Talkshow-Moderator bei einer Wahlkampfveranstaltung des republikanischen Kandidaten John McCain in Texas genüsslich herum. Dreimal sprach er den vollen Namen Obamas aus und heizte damit Gerüchten ein, wonach der afroamerikanische Präsidentschaftsbewerber der Demokraten Israel-kritisch und Islam-freundlich sei. Derartige Gerüchte dürften laut der aktuellen Ausgabe von "Newsweek" auch Berater Hillary Clintons säen - eine heikle Angelegenheit, aber die Antisemitismus-Gerüchte könnten der in aus der Favoritenrolle verdrängten New Yorker Senatorin die jüdische Wählerschaft sichern.

So bringen vier Prozent der Wähler Obama spontan mit dem Islam in Verbindung, wie eine Online-Umfrage von Yahoo und der Nachrichtenagentur AP im Jänner ergab. Den nachweislich falschen Vorwurf, Barack verschweige, dass er Muslim sei, hatte auch ein weithin bekanntes Foto Obamas in kenianischem Stammesgewand von 2006 genährt. Wahr ist: Obama ging - unter anderem - im mehrheitlich muslimischen Indonesien zur Schule; sein Vater, ein Kenianer, war zumindest auf dem Papier Muslim.

"Obama ist und war nie Muslim"

Obama selbst ist praktizierender Christ und darauf verweist der Senator aus Illinois immer wieder. Auf seiner Webseite findet sich ein prominenter Kasten "Know the Facts". Unter "Barack Obama's Religion" heißt es "Obama ist und war nie Muslim". Darunter werden zahlreiche Fürsprecher Obamas angeführt, die dies bezeugen. Die Unterstellungen wiegen schwer, gilt die afroamerikanische Minderheit in den USA an sich schon als wenig Israel-freundlich. Ein Afroamerikaner mit muslimischem Hintergrund dürfte jüdischen Wählern aber noch suspekter sein.

"Nation of Islam" lobt Obama

Am Sonntag dann ein gefundenes Fressen für Clintons Wahlkampfberater: Louis Farrakhan, Präsident der umstrittenen "Nation of Islam", der immer wieder Antisemitismus vorgeworfen wird, lobte Obama über den grünen Klee. "Dieser junge Mann (Obama) ist die Hoffnung der ganzen Welt, dass Amerika sich ändern wird und besser (gemacht) wird." Wenige Tage vor der möglicherweise entscheidenden Vorwahlrunde ging Clinton auf Frontalangriff. In der 20. landesweit übertragenen TV-Debatte am Dienstag in Ohio warf die ehemalige First Lady Obama vor, er lasse sich von Farrakhan unterstützen.

Die riskante Attacke Clintons ging jedoch ins Leere. "Hier sprach eine Verliererin", urteilte ein TV-Kommentator nach dem TV-Duell. Obama verurteilte die Haltung Farrakhans klar. Als Clinton ihn indirekt aufforderte, auch dessen Unterstützung zurückzuweisen, sagte Obama: "Wenn Senatorin Clinton das Wort 'zurückweisen' für stärker hält als das Wort 'verurteilen', dann gebe ich in diesem Punkt nach und möchte zurückweisen und verurteilen." Gelächter im Publikum folgte auf dem Fuß.

"Anti-Semiten für Obama"

Obamas Wahlkampfteam war auf die Unterstellung, Obama teile die Ressentiments der "Nation of Islam" gegenüber Israel, vorbereitet. Nur einen Tag zuvor hatten die Republikaner in Tennessee unter dem Motto "Anti-Semiten für Obama" Negativwerbung für den möglichen Gegner McCains im Hauptwahlkampf betrieben. Die Partei stimme nur "in einen wachsenden Chor von Amerikanern ein, die sich Sorgen um die Zukunft der Nation Israel machen", wenn Obama Präsident würde.

In diese Richtung gehen auch E-Mails, die Clinton-Berater laut Recherchen von "Newsweek" zirkulieren lassen. Beraterin Ann Lewis soll demnach sogar in einer Telefonkonferenz darauf hingewiesen haben, dass Obama sich von Zbigniew Brzezinski beraten lässt. Der bestätigte dem Magazin "gelegentliche" Beratungen. Seit Brzezinski das umstrittene Buch "Die Israel Lobby" guthieß, gilt er unter Juden als rotes Tuch, wie informierte Kreise "Newsweek" bestätigten. John Mearsheimer und Stephen Walt hatten in ihrer Publikation den übermäßigen Einfluss der Israel-freundlichen Kräfte in der US-Außenpolitik dargestellt und mussten dafür den Vorwurf des Antisemitismus einstecken.

Clintons Wahlkampfhelfer auf der einen und Republikaner auf der anderen Seite weisen auch gern auf den früheren Pfarrer in Obamas Heimatpfarre der Dreifaltigkeit in Chicago hin. Nicht nur dass Reverend Jeremiah Wright Israel kritisiert - die von seiner Tochter geleitete Zeitung hat den Muslim-Führer Farrakhan auch noch mit einem Preis bedacht.

In der brodelnden Gerüchteküche springen Obama nun gewichtige Stimmen aus den beiden jüdischen Organisationen AIPAC und Anti-Defamation League zur Seite, die Obama etwa bei Israel-relevanten Abstimmungen im Kongress "eine weiße Weste" bescheinigen. Obama selbst beteuert, Israels Sicherheit sei ihm "heilig" und betont sein "unerschütterliches Bekenntnis" zu Israel. Die Vorwahlen am Dienstag in Ohio, Texas, Rhode Island und Vermont werden weisen, wie sehr Obama die Gerüchte schaden und ob es Clinton gelingt, sie umzumünzen. (APA)


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