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2008 Dienstag 01 April

Amerikaner rätseln über Irans Vermittlerrolle

Spiegel Online - national,Germany

Kämpfer der schiitischen Mahdi-Armee haben sich in Basra tagelang erbitterte Gefechte mit irakischen Soldaten und US-Truppen geliefert. Nun flauen die Kämpfe ab - dafür soll ausgerechnet Amerikas Erzfeind Iran mitverantwortlich sein.

Bagdad - Das tagelange Kämpfen im Irak scheint vorerst ein Ende zu finden, und die Hinweise mehren sich, dass Iran dafür mitverantwortlich ist. Ausgerechnet das Land, das US-Präsident George W. Bush zur "Achse des Bösen" zählt, hat demnach die Waffenruhe mit ausgehandelt. Einen Reim können sich die Amerikaner darauf derzeit wohl kaum machen, außer: Irans Rolle in der Region wird wichtiger, wie "USA Today" in seiner Online-Ausgabe schreibt.

Und auch von arabischer Seite kommt Bestätigung für den nebulösen Deal. Die arabische Zeitung "al-Hayat" berichtete am Montag, es habe am Wochenende Verhandlungen mit Schiiten-Führer Muktada al-Sadr gegeben, während sich dieser in Iran aufgehalten habe. Das Ergebnis der Gespräche, an denen auch Vertreter der beiden schiitischen Regierungsparteien Dawa und Oberster Islamischer Rat teilgenommen hätten, sei Sadrs Aufruf zur Waffenruhe. Im Gegenzug habe man ihm zugesichert, zu prüfen, ob Angehörige der Mahdi-Armee zu Unrecht im Gefängnis sitzen.

Das Abkommen zeigt weitgehend Wirkung. In Basra und anderen Schiiten-Städten des irakischen Südens ist nach fünftägigen blutigen Kämpfen wieder Ruhe eingekehrt. Auch in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr City schwiegen am Montag die Waffen, nachdem Sadr am Sonntag seinen Milizionären befohlen hatte, keine irakischen Soldaten oder Polizisten mehr anzugreifen. Die sogenannte Grüne Zone von Bagdad, in der unter anderem die US-Botschaft und das Parlament liegen, wurde am Montag mit etlichen Mörsergranaten beschossen, wie Augenzeugen berichteten. "USA Today" meldet unter Berufung auf Angaben der US-Armee, einige Mitglieder der Mahdi-Armee hätten sich offenbar von Sadr losgesagt und verfolgten nun ihre eigenen Ziele.

Augenzeugen berichten, in der Grünen Zone seien alle Menschen per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert worden, Deckung zu suchen. Überall seien Sirenengeheul und Explosionen zu hören gewesen, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Angaben der Polizei wurde die Sicherheitszone mit Mörsergranaten angegriffen. Zum Zeitpunkt der Attacke fegte ein schwerer Sandsturm über Bagdad.

Polizeiangaben zufolge sind mindestens sechs Granaten in der Grünen Zone eingeschlagen. Ob jemand verletzt oder getötet wurde, ist noch unklar. Bereits in der vorigen Woche hatten Kämpfer der Sadr-Miliz die Grüne Zone unter Beschuss genommen.

In Bagdad war nach dem Ende der Ausgangssperre am Montagmorgen zunächst wieder Normalität eingekehrt. Autofahrer und Fußgänger hatten sich nach dem Ende der Kämpfe auf die Straße gewagt. Auch im südirakischen Basra wurde die Ausgangssperre aufgehoben, Geschäfte hatten wieder geöffnet. Angesichts der sich abzeichnenden Entspannung der Lage im Irak hatte die militärische Führung am Sonntagabend die Aufhebung der Maßnahme verkündet. Ausgenommen seien jedoch die Stadtteile Sadr City, Kadhimija und Schuala, drei Hochburgen schiitischer Milizen.

Die Kämpfe zwischen Sadrs Mahdi-Miliz und den Sicherheitskräften hatten am vergangenen Dienstag in der Ölstadt Basra begonnen und sich auf mehrere Städte des Landes ausgeweitet. Die US-geführten Koalitionstruppen hatten am Freitag auf Seiten der Regierung in die Gefechte eingegriffen.

Die US-Armee meldete am Montag Erfolge im Kampf gegen die Aufständischen der schiitischen Sadr-Miliz. Den Angaben zufolge wurden 41 Aufständische getötet. Die "Kriminellen" seien am Sonntag bei Luftangriffen und Kampfeinsätzen im Osten und Nordosten Bagdads ums Leben gekommen, erklärten die US-Streitkräfte am Montag. Damit stieg die Zahl der Toten bei den tagelangen blutigen Gefechten im Irak auf mehr als 320, davon mindestens 140 in Bagdad. Am Sonntag hatte der radikale Schiiten-Führer Muktada al-Sadr seine Gefolgsleute zum Rückzug aufgerufen.

Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat den Rückzugsbefehl des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr als "Schritt in die richtige Richtung" begrüßt. Dies werde hoffentlich helfen, die Lage zu stabilisieren, hieß es in einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung Malikis. Sadr hatte nach tagelangen blutigen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften seinen Milizionären den Rückzug befohlen. Seit Beginn der Kämpfe zwischen der Sadr-Miliz und den vom US-Militär unterstützten Regierungstruppen am Dienstag in der südlichen Hafenstadt Basra sollen mehr als 200 Menschen getötet worden sein.

Zugleich kündigte die Regierung an, dass die Offensive zur Wiederherstellung der Sicherheit in einigen Gebieten aber weitergehen werde. Allerdings richteten sich die Operationen der Regierungstruppen in Basra nicht gegen politische oder religiöse Gruppen, auch nicht gegen den Sadr-Block, hieß es in der Erklärung Malikis vom Sonntagabend.

Nach Angaben des US-Militärs töteten Aufständische am Sonntag nördlich von Bagdad einen amerikanischen Soldaten. Ein weiterer Soldat erlag gleichentags seinen Verletzungen, die er am Samstag in der Anbar-Provinz erlitten hatte. Die Armee meldete weiter, in der Nähe der Stadt Balad seien am Sonntag sechs Polizisten von Qaida-Terroristen getötet worden, die sie in einen Hinterhalt gelockt hätten.


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