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2008 Sonntag 20 April» Messe der Aufmüpfigen «Financial Times Deutschland - Germany Trotz der Wirtschaftssanktionen von Uno und USA tummeln sich Hunderte ausländische Firmen auf der iranischen Ölmesse in Teheran. Die Chance auf einen lukrativen Deal will hier niemand verpassen - es gibt Hoffnung auf bessere Zeiten. Der erste Blick verrät keinen Unterschied zu irgendeiner beliebigen Messe auf der Welt. Leuchtende Schautafeln präsentieren die ganz großen Namen der Ölindustrie. Shell, Lukoil, Siemens und Statoil sind nur einige von ihnen. Alle haben ihre Stände aufgebaut, um potenziellen Kunden ihre Produkte anzudienen. Allein der Ort macht dieses Forum besonders: Es findet in Teheran statt, allen wirtschaftlichen Sanktionen der Uno und der USA zum Trotz. Keiner der Teilnehmer will die Chance auf ein lukratives Sehen und Gesehenwerden in der Hauptstadt der Islamischen Republik verpassen. Über 450 internationale Firmen präsentieren sich auf der fünftägigen Schau, die größten Gruppen stammen aus Deutschland, Großbritannien, Russland und China. "Der Iran ist eines der wichtigsten Öl- und Gasländer der Welt, und die Welt sucht verzweifelt nach Energie", sagt Andre Goffart, Nahost-Vizepräsident des französischen Energiekonzerns Total. "Wir müssen hier sein." Es ist ungewöhnlich, dass Handelsvertreter Entschuldigungen für ihre Anwesenheit auf einer Messe vorbringen. Diese aber findet zu einer Zeit statt, in der die von den USA geführte internationale Gemeinschaft versucht, den Iran mit Handels- und Finanzsanktionen von seinem umstrittenen Atomprogramm abzubringen. Die USA selbst sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und drohen Firmen, die Geschäfte mit dem Iran betreiben, mit Schwierigkeiten bei ihren Operationen in den USA - ein Ärgernis für die Konzerne. "Energie wird früher oder später eine der großen weltweiten Herausforderungen sein", sagt Goffart. "Man kann Energiekonzerne nicht gleichzeitig beschuldigen, zu viel und zu wenig zu investieren." Teheran ist sich seiner Rolle wohl bewusst und macht das Interesse an seinem Ölsektor zum Politikum. Eine Zeitung, die der Messe-Organisator Ölministerium eigens für das Ereignis produziert hat, zeigt eine Karikatur, in der ein Gewicht mit der Aufschrift "Iranische Ölmesse" einen Onkel Sam, also die USA, unter sich begräbt. Das Land braucht aber auch dringend Technologie von außen. Angesichts jahrelanger US-Sanktionen und sinkender Investitionen in den Energiesektor sind die Ölraffinerien antiquiert. Trotz des Ölreichtums muss der Iran 40 Prozent seines Benzinbedarfs teuer importieren - innenpolitisch eines der größten Probleme für Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Der war mit dem Wahlversprechen angetreten, die Bevölkerung an den Öleinnahmen des Landes teilhaben zu lassen. Die großen Gasvorkommen sind weitgehend unangetastet. Ölminister Gholam Hossein Nosari will das ändern. Er warnte interessierte Konzerne, darunter Royal Dutch Shell, Total und Repsol, dass eine auf Mitte Juni gelegte Frist für den Abschluss milliardenschwerer Förderverträge für das weltgrößte Gasfeld von Süd-Pars nicht aufgeschoben werde. "Es ist die letzte Chance", sagte Nosari. Er habe sein Ministerium angewiesen, das Verfahren bis Mitte Juni abzuschließen. Man könne die Entwicklung von Süd-Pars auch lokalen Vertragsnehmern übertragen. Der Fall zeigt das Dilemma westlicher Firmen, die trotz anziehender Sanktionen auf Geschäfte mit dem Iran nicht verzichten wollen. Doch offenbar besteht Hoffnung auf andere Zeiten. Auf der Messe in Teheran hat auch Shimi Tajzieh Sina einen Stand aufgebaut, eine iranische Firma, die früher Zubehör für petrochemische Labors der US-Firma Labomed vertrieb. Das gehe im Moment nicht mehr, sagt ein Vertreter. Werben wolle man trotzdem. Denn irgendwann könne man auch wieder verkaufen. |
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